Weinlexikon

Tafelwein:
 Deutschlands "Vin ordinaire". Oft mit Weinen aus anderen EG-Ländern verschnitten. "Deutscher Tafelwein" muss ausschließlich aus deutschen Trauben bestehen und kann hervorragend sein.
Nach amtlicher Definition leichter, lieblicher Wein ohne besondere Eigenart; heute erscheinen unter dieser Kategorie jedoch auch hochklassige Gewächse mit ausgeprägtem Charakter.

Landwein:

 Eine Stufe über Tafelwein (die Trauben müssen besser ausgereift sein), aus 20 festgelegten Gebieten. Er muss trocken oder halbtrocken sein. Entspricht dem französischen Vin de pays. Trocken bis halbtrocken, gebietstypisch.

Qualitätswein:

 Trocken bis lieblich; Zuckerzusatz vor der Gärung, um ihm mehr Stärke zu geben, stets auf Qualität geprüft und mit ausgeprägtem Charakter, je nach Landschaft und Traubensorte.

Kabinett:

 Trocken bis lieblich (ungezuckert) mit ausgeprägter, oft sehr feiner Eigenart und charakteristischer Leichtigkeit.

Spätlese:

 Alkoholreicher als Kabinett, meist mit mehr Süße. Körperreich. Der Trend geht heute zu halb- oder ganz trockenen Spätlesen.

Auslese:

 Wein von ausgelesenen, besonders reifen Trauben, oft durch Edelfäule verfeinert und entsprechend gehaltvoll im Geschmack. Trockene Auslesen fallen meistens sehr alkoholreich aus. Süßer, oft auch alkoholreicher als Spätlese, vielfach mit an Honig erinnerndem Aroma, intensiv und nachhaltig. Gelegentlich trocken und schwer.

Beerenauslese:

 Köstlich honigsüßer Wein aus besonders reifen, einzeln gelesenen Beeren, meist durch Edelfäule verfeinert. Selten und teuer.

Eiswein (Beeren- oder Trockenbeerenauslese):

 Hochkonzentriert, intensiv süß. Kann sehr fein sein, aber auch extrem einseitig.

Halbtrocken:

 Mit unter 18, jedoch über 9 g/l Restsüße. Eine beliebte Zwischenstufe, hauptsächlich als Wein zu Speisen gedacht, weil sie  gewöhnlich besser ausgeglichen sind als trockener Wein.

Trocken:

 Ist laut Weingesetz die Bezeichnung für einen Wein mit einem Restzuckergehalt von höchstens 9 g/l. Einige trockene Weine können bis zur Sprödigkeit herb sein, andere (die besseren) haben ein höheres Maß an Körper und Alkohol.

 

 

 

  Was ist eigentlich Wein?
 

Betrachtet man die Geschichte des Weines, so braucht man eigentlich nur in der christlichen Bibel nachzulesen, wenn man wissen möchte, was es mit dem Getränk Wein seit Jahrtausenden so auf sich hat. Ja seit Jahrtausenden war es das festliche Getränk für alle Anlässe. Wer ihn sich leisten konnte, trank ihn jedoch wann immer er ihn bekommen konnte.  Wie Aufzeichnungen besagen, soll sogar Christus selbst auf der Hochzeit von Kanaan dafür gesorgt haben, dass sich die leeren Amphoren sofort wieder mit neuem Wein füllten. Wie viel schöne Sprichworte ranken sich um den Wein: im Wein liegt Wahrheit oder wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang..
Die christliche Kirche stellt ihn noch heute in den Mittelpunkt der heiligen Messe als Symbol des für die Menschheit vergossenen Blutes. Selbst die römischen Bauernheere, die über Hunderte von Jahren ein riesiges Imperium eroberten,  durften ihre Ansprüche auf gerechte Zuteilung ihrer Rationen geltend machen. Weingarten, Weinstock, Rebe oder Traube, ob Weinkelch oder Weinkrug,  Weinbauer, Küfer, Kellermeister oder Fass, des vom Wein Trunkenen,  Weinzecher oder Weindieb, alle und alles hat in Liedern, in der Literatur,  in Dramen, auf Bildern, in Geschichten und auf und in  Gegenständen seine  Spuren hinterlassen, sei es mit dem  Weinheber, oder gar der Weinbergschnecke, Weinvogelraupe  und der Weinpalme.  Sogar in die Sprachwelt ist Wein begriffsbildend eingegangen: weintrunken griff er nach dem wieder gefüllten Weinglas, neben ihm in der Weinstube des Winzers stand der Weinkühler des Winzers aus dem österreichischen Weinviertel.
Was ist es an diesem Getränk, das es eine so große Bedeutung gewonnen konnte? Doch nicht überall! Das völkerreichste Land der Erde, die Chinesen,  kannte bis in das zwanzigste Jahrhundert hinein so gut wie keinen Wein, der sich nur aus den Trauben der Weinrebe gewinnen lässt. Erst Ende des letzten Jahrhunderts um 1980 begann auch hier der Siegeszug. Bis dahin hatte man nur die als wichtigste Rebe die Beichun- und die Lonyan-Trauben im Nordosten des Landes in geringer Zahl angebaut, um Wein zu gewinnen.

  Was macht denn nun den Wein so begehrt?
 

Der Alkoholgehalt allein kann es doch nicht sein, denn den gibt es im Bier ja auch. Es ist wohl die einzigartige Mischung aus so vielerlei: Rebsorte, Traube, Boden,  Klima, Pflege der Rebe und des Bodens, der Winzer, der Erntezeitpunkt, das Keltern, der Küfer und der Kellermeister. Ja, die Liebe zum Wein selbst darf dabei nicht fehlen, um das so Genussvolle, ja Begeisternde ebenso wie  die Sehnsüchte erweckende und zu Liebesschwüren Hinreißende wie auch das Harmonische in den Wein zu bringen.  All dieses in ihm liegende könnte sein Geheimnis sein,  das ihn so unsterblich zum Kulturgut (fast) aller Menschen gemacht hat.
Die Kriterien für die Qualität ist der Reifegrad der Trauben bei der Lese, das Alkoholpotential und der Zuckergehalt des Weins, die Säuremenge, die als Konservierungsmittel beigemischte Schwefeldioxidmenge und gegebenenfalls all jene Faktoren, die dem Wein seinen unverkennbaren Charakterverleihen.
Der im Wein enthaltene Zucker ist hauptsächlich Glukose und Fruktose, mit Spuren von Arabinose, Xylose und andern Zuckerarten, die durch Hefe nicht fermentierbar, durch Bakterien aber umwandelbar sind. Restzucker ist der nach vollendeter oder künstlicher abgestoppter Gärung im Wein verbliebene Zucker, gemessen in Gramm pro Liter. Der Alkoholgehalt, hauptsächlich Äthylalkohol, also Trinkalkohol, wird in Prozenten des Gesamtflüssigkeitsvolumens oder in Grad angegeben.
Säuren kommen im Wein frei, gebunden und in geringem Maß auch in flüchtiger Form vor. Weinsäure, Apfelsäure sowie Spuren von Zitronensäure können an Kali, Kalzium und Magnesium gebunden sein, oder in freier Form vorliegen. Diese Säuren sind schon in den Beeren enthalten. Die Milchsäure dagegen entsteht erst beim biologischen Abbau durch Bakterien aus der Apfelsäure. Bei flüchtiger Säure handelt es sich vorwiegend um Essigsäure, die jedoch im Wein in größerer Konzentration unerwünscht ist, kleine Mengen flüchtiger Säure sind jedoch unvermeidlich, ja sogar ansprechend. 
Die titrierbare Gesamtsäure erfasst nur die freie Wein-, Apfel-, Milch- und Zitronensäure und entsprechen ungefähr zwei Drittel der im Wein tatsächlich enthaltene Säuren. Der Rest liegt in gebundener Form vor.  Der pH-Wert ist ein Maß für die Intensität der Säure und weniger für ihr Volumen. Je niedriger die Zahl, desto der stärker die Säure. Niedrige pH-Werte ergeben eine bessere Farbe, helfen den Verderb durch Bakterien vermeiden, erlauben mehr freies, aktives, schützendes SO2. Der pH-Wert für Wein beträgt 2,8 bis 3,8. Schwefeldioxid (SO2) gibt man dem Wein bei, um eine Oxidation oder andere Fehlentwicklungen bei der Weinherstellung zu verhüten. Ein Teil desselben verbindet sich mit dem Zucker usw., ist also "gebunden". Nur freies SO2 wirkt konservierend. Der zulässige SO2-Gehalt ist im Verhältnis zum Restzucker gesetzlich festgelegt: je mehr Zucker, desto mehr S02, daher sind weniger süße Weine im allgemeinen bekömmlicher.
 

 Süßreserve und Restsüße – deutsche Definitionen
 

Hier seien noch die beiden Begriffe Süßreserve und Restsüße, die im deutschen Weinvokabular eine Rolle spielen, kurz erläutert. Ist der Weingärungsprozess beendet – sei es auf natürliche Weise bei hohem Alkoholgehalt oder auf künstliche Weise bei niedrigerem Alkoholgehalt - weist der Wein noch ein bestimmtes Maß an Süße – die Restsüße – auf. Zwecks Erhalt eines ausgewogenen Verhältnisses von süß und herb pflegte man früher den Gärungsprozess künstlich zu stoppen.
Heute geht man anders vor. Man lässt den Wein ausgären, bis er völlig trocken ist, und mengt ihm dann unvergoren (süßen) Saft derselben oder einer ähnlichen Traube bei. Dabei spricht man von Süßreserve. Somit hat der Kellermeister die Kontrolle über die Süße des Weins. Er kann trockene, halbtrockene oder süße Versionen desselben Weins hervorbringen. Diese Technik wurde nur dank steriler Filtrierung möglich, bei der jedes Tresterteilchen entfernt wird.

In fast allen Ländern oder Erdteilen der Welt (ausgenommen von Grönland, Arktis, Antarktis, Feuerland, Sibirien) wird Wein angebaut und Wein gekeltert. Sogar der berühmteste Essig der Welt, der Aceto Balsamico aus Modena, wird aus Weintrauben, den kleinen Trebbiano-Trauben, gewonnen, die allerdings keine großen Weine hervorbringen.
Abgesehen von den bekannten deutschen Weinbaugebieten im Westen und Südwesten Deutschlands wird an der Saale-Unstrut, in Dresden, in Berlin und ja selbst in Schlesien und im ehemaligen Deutschböhmen/Sudetenland, als auch in tschechischen Siedlungsgebieten Weinanbau betrieben. Während die schlesischen Weine wegen ihrer sehr säuerlichen, etwas abführenden Art (so der ehemalige schlesische Humorist Lommel, wie er lautmalend die Wirkung des schlesischen Weines literarisch auf humorvolle Weise festgehalten hat) sind die seit dem 9. Jh. angebauten Weine des Elbtales nördlich von Prag und in Mělnik, eine der berühmtesten Kloster und Bibliotheken der Welt (Weltkulturerbe) vertreten durch die Kellereien Lobkowitz, Rautnitz, Leitmeritz und Karlstein gekelterten Weine Weltklasse.
Die mährischen Weine, in Prag besonders beliebt,  aus den Rebanlagen an den Nebenflüssen der Donau in der Nähe zur österreichischen Grenze sind berühmt durch ihre Spezialitäten, wie die Rebsorte Grüner Veltiner, Müller-Thurgau, Traminer u.v.a.m. Die Kellerei Valtice, gegründet um 1430, und die Weine aus Mikulov und Satov haben preisgekrönte Weine hervorgebracht, darunter den süßen Pinot gris, Jahrgang 1993, von Sobes. Durch den Anschluss Tschechiens an die EU dürften sich für diese Weinanbaugebiete in Westeuropa endlich wieder neue Märkte erschließen lassen. Viele Weinbauer der EU, darunter große international bekannten Weingüter und Kellereien warten geradezu darauf, diese ehemaligen kollektivierten Rebgärten wieder in ihren Besitz zu nehmen, um die sich öffnenden Absatzmärkte des Ostens zu erschließen. Als EU-Bürger und Unternehmen haben sie dann endlich wieder wie früher die Chancen,  sich ohne eine nationalistische  Bevormundung,  zum Wohle des Weinanbaus wieder anzusiedeln oder die ihnen zu Unrecht enteigneten Besitzungen ihrer Väter und Vorväter wieder zurück zu erlangen.

*  Neuere Jahrgänge  Mosel-Saar-Ruhwehr

Moselweine (auch Weine von Saar und Ruhwehr) sind jung so ansprechend, dass ihre Haltbarkeit nicht sehr oft auf die Probe gestellt wird. Weine, die älter sind als acht Jahre, kommen darum kaum vor. Aber gut gepflegte Rieslingweine der Kabinettklasse gewinnen bei mindestens 5 Jahren Flaschenlagerung (und oft viel mehr), Spätlesen bei 10 bis 20 Jahren und Auslesen sowie Beerenauslesen bei über 10 bis 30 Jahren.
In der Regel geraten Saar- und Ruhwehrweine in geringen Jahren scharf und schlank; in den besten Jahren aber können sie, vor allem mit Edelfäule, an Eleganz und erregender Rasse alles andere übertreffen (Definition: Johnson für Weinkenner.

*  Nahe/Rheingau/Rheinhessen/Pfalz
Auch die besten Weine lassen sich in Ihrer Jugend mit Genuss trinken, aber Rieslings-Kabinettweine, Spätlesen und Auslesen aus guten Jahren gewinnen enorm an Charakter, wenn man sie länger aufhebt. Rheingauweine sind wohl die langlebigsten und verbessern sich oft 15 Jahre lang oder mehr, jedoch können auch die besten Weine von der Nahe oder aus der Pfalz ebenso lang haltbar sein. 
Rheinhessische Weine sind meist früher ausgereift, trockene Weine aus Franken und Baden im allgemeinen mit drei bis sechs Jahren am besten (Definition nach Johnson für Weinkenner).
Obwohl alle Welt in Europa von den herrlichen Rotweinen Frankreichs, Italiens, Spaniens, des Kosovo, ja Griechenlands und der Türkei spricht, wissen nur Kenner etwas von deutschen Rotweinen.
Gerade die Weinanbaugebiete in Württemberg, Baden-Baden, Freiburg und entlang des Nordufers des Bodensees erzeugen die herrlichsten Rotweine. Denkt man noch an das Schwäbische Meer, ob seiner Einmaligkeit und Schönheit so bezeichnet, an dem man an heißen Sommertagen selbst auf  einen Urlaub auf den Inseln Miaui oder gar Waikiki (Hawaii) verzichten möchten, so schön ist es dort und natürlich auf der Insel Mainau, die selbst die Disneyland Manager vor Neid wegen ihrer Einmaligkeit und Schönheit erblassen lässt, dann lernt man schnell, dass von Württemberg bis entlang des Bodensees einfach herrliche Rotweine gekeltert werden.
Verblüffend ist jedoch für Weißweine die banale Feststellung, wenn alle von Rotweinen schwärmen, dass es ca. 50 % mehr Rebsorten  als Rebsorten roter  Trauben gibt. Nach Johnson, dem berühmten Weinkenner, sollen es ca. 60 grüne und nur 40 rote Rebsorten sein.
Natürlich hat jedes Land seine bestimmten Präferenzen, was Deutschlands Weißweine die große Rebe ist, der Riesling und die  Müller-Thurgau  als Kreuzung aus Riesling und Sylvaner, sind Frankreichs weiße Chardonnay, Clairette, Sauvignon blanc, Chenin blanc und Muskat und seinen zahlreichen Varianten.
Von den Rotweinen ganz zu schweigen, die Frankreichs Ruf in der Welt begründen.
Selbst die Italiener haben sich  heute besonnen und kredenzen mehr und mehr auch gute Weißweine, sogar Südtiroler und Trentiner, obwohl deren  Schwerpunkte  natürlich bei den Rotweinen liegen.
Endlich erfolgte in Italien auch die Abkehr der gesichtslosen Industrieweine. Auch hier müsste wohl Italien den schweren Weg der Mengenreduzierungen gehen, ebenso wie Spanien und Portugal auch.
Italien nennt selbst mehr als 32.000 Provenienzen.
Die ehemalige Sowjetunion weist das viertgrößte Weinanbaugebiet der Welt auf. Auch von dort ist außer des ehemals sowjetischen Champanski (Trimlanskoje Champanski) noch viel zu erwarten.
In England bei Sotheby’s Versteigerung von 1990 von Dessertweinen aus dem Weinkeller des ehemaligen russischen Zaren  Nikolaus, dem Weinkeller  von Massandra ) erzielten diese russischen Weine wegen  ihrer Qualität Spitzenpreise. So genossen bereits die Weine russischer Provenienz aus den bekannten Weinanbaugebieten, der  Krim, Georgiens, dem Tal des Don in der Nähe der Schwarzmeerküste,  schon vor mehr als 100 Jahren bei den ausländischen Staatsgästen des Zarenhofes einen legendären Ruf.